Wie eine durchgebogene Büroklammer - Langfristige Folgeschäden bei nicht operiertem Kreuzbandriss
Derzeit zieht eine Studie zur Operation des Kreuzbandriss aus Schweden durch die orthopädischen Fachkreise, die in ihrer Bedeutung für den Patienten nicht irreführender ausfallen könnte. In der Studie wurden verschiedene Therapien des Kreuzbandrisses miteinander verglichen - mit dem Ergebnis, dass bei körperlich aktiven Patienten der sofortige chirurgische Eingriff nicht effektiver ist, als die konservative Rehabilitation mit Operation erst zehn Wochen nach Riss des Kreuzbandes. Und der Bilanz, dass 60% aller Kreuzband-Operationen vermeidbar wären. "Das widerspricht meiner 20jährigen Erfahrung als Orthopäde", so Dr. Peter Baum, Chef der Gelenk-Klinik in Gundelfingen.
Die Studienteilnehmer waren zwischen 18 und 35 Jahren ohne weitere Schäden, sie wurden zwei Jahre nach Therapie des Kreuzbandriss beobachtet. In drei Gruppen geteilt - nur Reha, Reha nach sofortiger Kreuzbandplastik und Reha nach verzögerter OP - machten die 121 Patienten gleichwertige Angaben zu Schmerzen, Kniefunktion und allgemeiner Lebensqualität.
"Beim Lesen dieser Ergebnisse würde ich als Patient auch auf eine konservative Behandlung drängen", so Baum verständnisvoll. Doch die vor einer OP warnende Schlussfolgerung hält er für fatal. "Natürlich steht bei nahezu allen orthopädischen Diagnosen zuerst die konservative Therapie mit den Patienten zur Diskussion. Aber im Fall eines Kreuzbandrisses sind vor allem die Langzeitergebnisse - also nicht nur die zwei Jahre der Studiendauer - das Entscheidende".