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Bandscheibenvorfall

(oder Prolaps)

Was sind die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls?

Kein Wunder, dass ein Bandscheibenvorfall so häufig ist: Die 23 Bandscheiben, die wir besitzen, dienen als Puffer und Federung zwischen den Wirbelkörpern. Sie machen die enorme Beweglichkeit der Wirbelsäule erst möglich. Sie halten unglaublich viel aus: Scherkräfte und Hebelwirkungen vergrößern die Lasten, die bei bestimmten Bewegungen auftreten. So tragen die Bandscheiben ein Vielfaches unseres Körpergewichtes.

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Bandscheibenschaden
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Wie ist die Bandscheibe aufgebaut?

In der Mitte der Bandscheibe befindet sich ein gallertartiger, weicher Kern: der Nucleus pulposus. Damit er an der richtigen Stelle bleibt, ist er von einem harten Faserring umgeben, dem Anulus fibrosus. So kann die Bandscheibe als Stoßdämpfer wirken und zugleich flexibel bleiben.

Wie kommt es zu einem Bandscheibenvorfall?

Im Mutterleib wird die Bandscheibe noch über eigene Blutgefässe versorgt. Nach der Geburt erhält sie Nährstoffen und Flüssigkeit nur noch passiv, über die sogenannten Diffusion. Dabei saugt sie gewissermaßen, vor allem nachts im Liegen, Wasser und Nährstoffe wie ein Schwamm aus der umgebenden Gewebeflüssigkeit auf. Tagsüber wird ein Teil der Flüssigkeit aufgrund des Körpergewichtes im Stehen und Sitzen wieder aus der Bandscheibe herausgedrückt. Deshalb verlieren wir untertags ein wenig an Körpergröße und gewinnen sie in der Nacht wieder zurück. Der Größenunterschied zwischen morgens und abends kann mehrere Zentimeter ausmachen.

bandscheibenvorfall

Diese Fähigkeit der Bandscheibe zur Erholung (Regeneration) nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab. Im Laufe der Zeit schrumpft sie dauerhaft. Anfangs noch unmerklich, können wir diesen Prozess im höheren Alter an einer geringeren Körpergröße ablesen. Von allen Geweben des menschlichen Körpers zeigt die Bandscheibe die weitreichendsten degenerativen Veränderungen. Sie verliert an Elastizität und Stabilität.

Der Verlust an Elastizität betrifft auch den harten Faserring, der das Bandscheibeninnere umgibt. Hier bilden sich Risse und Spalten, in welche die weiche Masse aus dem Bandscheibeninneren vordringen kann. Zugleich steigt die Druckbelastung für den Faserring aufgrund der Höhenabnahme der Bandscheibe. Es kann jetzt zur Vorwölbung des Gallertkerns und des Faserrings kommen - ähnlich wie bei einem Gummiball, der zwischen den Handflächen plattgedrückt wird. Ab diesem Stadium ist bereits eine Vorwölbung der Bandscheibe (Protrusion) eingetreten. Durchbricht der Gallertkern den äußeren Faserring, liegt ein Bandscheibenvorfall (Discusprolaps oder Nucleus-pulposus-Prolaps) vor.

Hinweise zum Bandscheibenvorfall für Laufsportler

Laufen und Bewegung ist eigentlich die beste Medizin gegen Bandscheibenvorfall. Wer jedoch im mittleren Lebensalter ein Lauftraining beginnt, sollte vorsichtig sein. Bei Laufsportlern sind die Bandscheiben besonderen Belastungen ausgesetzt. Die vertikale Kompression (Stauchen) der Bandscheiben beim Aufprall während des Laufzyklus entspricht zwar der eigentlichen Aufgabe der Bandscheibe. Harter Untergrund und ungeeignete Dämpfung des Laufschuhs können aber zur Überlastung der Bandscheibe führen. Kommen noch muskuläre Ungleichgewichte hinzu - vor allem mangelhaft trainierte Bauchmuskeln - kann Laufen einen Bandscheibenvorfall sogar wahrscheinlicher machen.

Bandscheibenvorfall bei Laufsportlern auf www.joggen-online.de

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Übersicht Therapieverfahren (die geeignete Methode wird durch die jeweils individuelle Indikation bestimmt):

Konservative Behandlungsmethoden Operative Behandlungsmethoden

Bandscheiben-Zelltransplantation

Nukleoplastie

Schmerzkatheter

Endoskopische Bandscheiben-OP

Was hat die Bandscheibe mit Rücken- und Beinschmerzen zu tun?

Die Bandscheibe liegt sehr nah bei den großen Nervensträngen der Wirbelsäule. Wenn sich die Bandscheibe vorwölbt oder beim Bandscheibenvorfall sogar ein Teil ihres Kerns austritt, kann das austretende Material auf die umgebenden Nerven treffen. Dabei kann es passieren, dass Nervenwurzeln eingequetscht werden. Die Nervenwurzeln sind ähnlich wie Teile einer elektrischen Leitung, die das Gehirn mit den Körperteilen verbindet. Sie versorgen zum Beispiel im Bereich der Lendenwirbelsäule die Beinmuskeln mit Befehlen zur Bewegung. Sie sind auch für die Übermittlung der Schmerzsignale zuständig. Wenn etwas auf diese Nerven drückt kommt es so typischerweise zu Schmerzen in den Gliedmaßen, zu denen sie führen. Zusätzlich können Gefühlsstörungen mit Taubheit, Kribbeln oder sogar Lähmungen auftreten.

bandscheibenvorwölbungBeim Bandscheibenvorfall durchbricht das Bandscheibeninnere den harten Faserring und kann sehr stark auf das umgebende Gewebe und die Nervenwurzeln drücken. Dieser Druck löst wiederum Beinschmerzen oder Rückenschmerzen aus. Bei der Vorwölbung wird weniger Bandscheibenmasse verlagert als beim Vorfall. Deshalb sind beim Bandscheibenvorfall Gefühlsstörungen oder Lähmungen wesentlich häufiger.

Manchmal erfolgt der Bandscheibenvorfall im Wirbelsäulenkanal nicht seitlich, sondern kopfwärts oder fußwärts verlagert. Man spricht in diesem Fall von einem 'Sequester'. Er kann sogar Nerverwurzelreizungen verursachen, die weiter entfernt von dem eigentlich betroffenen Bandscheibensegment liegen.

Es gibt aber auch viele Patienten, die einen Bandscheibenvorfall haben und dabei keinerlei Schmerzen empfinden. Offensichtlich treten Schmerzen nur auf, wenn die Nervenwurzel bereits vorher eine Empfindlichkeit (Sensibilisierung) für den Bandscheibenvorfall entwickelt hat. Bei feingeweblichen Untersuchungen wurde die Ausbildung von Schmerzrezeptoren im Bereich der Nervenwurzel und der Bandscheiben beobachtet. Vor einer Bandscheibenoperation sollte deshalb unbedingt eine Infiltrationstherapie durchgeführt werden, um sich darüber Klarheit zu verschaffen.

Wie kann man einen Bandscheibenvorfall feststellen?

Der Bandscheibenvorfall verlangt eine gründliche orthopädisch-fachärztliche Untersuchung. Gegebenenfalls müssen auch weitere Fachärzte hinzugezogen werden. Aufnahmen mit dem Kernspin- (MRT) oder Computertomographen (CT) helfen bei der Untersuchung und bei der genauen Feststellung des betroffenen Segments. Allerdings darf ein Bandscheibenvorfall, der sich nur im kernspintomographischen Bild zeigt und sonst keine Symptome aufweist, nicht operiert werden. Die Röntgen-Darstellung der Bandscheiben und Wirbelkanals mit Hilfe eines Kontrastmittels runden die Untersuchung des Bandscheibenvorfalles ab.

(siehe auch Bandscheibenvorfall Symptome)

Zunächst muss die eingequetschten Nervenwurzel vom schmerzhaften Druck entlastet werden. Das wird in der Regel durch die Entfernung des ausgetretenen Bandscheibenmaterials oder die Verkleinerung des Bandscheibenvorfalles erreicht. Die Wahl der Behandlung hängt davon ab, ob es sich um eine Vorwölbung oder einen echten Bandscheibenvorfall handelt. Der genaue Ort, die Art und das Stadium der Störung spielen natürlich auch eine wichtige Rolle. Zur Verfügung stehen minimalinvasive Verfahren wie Nukleoplastie - Schmerzkatheter nach Racz - Disc-FX - endoskopische Bandscheibenentfernung - mikrochirurgische Entfernung des Bandscheibenvorfalles und völlig neu: Bandscheiben-Zelltransplantationen mit gezüchteten, eigenen Zellen.

Vor einer Operation sollten allerdings die konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft werden. Viele Bandscheibenvorfälle können nämlich auch ohne Operation erfolgreich behandelt werden. Ein Ausnahme bilden Vorfälle, die zu Lähmungen führen. Hier ist in der Regel eine schnelle Entfernung des druckausübenden Materials angezeigt, um bleibende Schäden an den betroffenen Nerven zu verhindern.

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Literaturangaben

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Aktualisiert ( Donnerstag, 02. Februar 2012 um 15:41 )  

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