Die Minimal-Invasive Behandlung von osteoporotischen Wirbelkörperbrüchen

Was verbirgt sich hinter der Kyphoplastie und Vesselplastie? Die Kyphoplastie wie auch die Vesselplastie sind Verfahren zur Stabilisierung und Aufrichtung von meist osteoporotischen Wirbelkörperbrüchen. Das bedeutet, dass in die zusammengesunkenen oder gebrochenen Wirbelkörper unter Druck Knochenzement, eine Art schnell härtender Kunststoff, eingespritzt wird. Dieses Füllmaterial ist mit dem bei Hüftprothesen oder Knieprothesen verwendeten Knochenzement eng verwandt.
Der Zweck beider Verfahren besteht darin, durch die Stabilisierung und Aufrichtung des Wirbelkörpers die Fehlstellung, meist die keilförmige Veränderung, zu beheben und die damit verbundenen Rückenschmerzen zu lindern. Um die Aufrichtung des Wirbelkörperbruches zu erreichen muss der Knochenzement unter hohem Druck in den gebrochenen Wirbelkörper eingespritzt werden. Das erste in dieser Art entwickelte Verfahren, die Vertebroplastie, zeichnete sich durch Einspritzung des Knochenzementes in den zusammengesinterten, unvorbereiteten Wirbelkörperbruch aus. Durch den hohen Druck beim Einbringen des Zementes und aufgrund der Brüche im Wirbelkörper kam es dabei oft zum Austritt von Knochenzement aus dem Wirbelkörper. Der ausgetretene Knochenzement konnte dann in den Wirbelkanal oder in Gefässe fliessen und ernste Komplikationen verursachen. Um diese Komplikationen zu vermeiden wird bei der Vesselplastie ein Ballon in den Wirbelkörperbruch eingebracht und verbleibt beim Befüllen mit Knochenzement in dem betroffenen Wirbelkörper. Unter Druck wird dann versucht eine Aufrichtung der ursprünglichen Wirbelkörperhöhe wieder herzustellen.
Das System verbleibt als Implantat zusammen mit dem Füllmaterial im Wirbelkörper. Durch dieses geschlossene System wird der Austritt von Zement und die damit verbundenen Komplikationen verhindert. Zudem ermöglichen die Poren im System ein optimales Verzahnen zwischen Knochenzement und dem Knochen des Wirbelkörpers. Die Porengröße von VESSEL-X beträgt 100μm, was der umliegenden spongiösen Knochenstruktur entspricht.
Wie ist der Ablauf der Operation und welche Einschränkungen habe ich nach der Operation zu befürchten?
Der Patient liegt in Bauchlage und erhält im Normalfall eine Narkose, wobei der Eingriff aber durchaus auch in Dämmerschlafnarkose und in lokaler Betäubung durchgeführt werden kann. Unter ständiger Röntgenkontrolle wird seitlich in den gebrochenen Wirbelkörper in minimalinvasiver Technik ein Zielinstrument eingebracht über welches im weiteren Verlauf entweder ein Ballon zur Aufrichtung (Kyphoplastie) oder das Vessel X Implantat eingeführt wird. Dieses wird dann langsam unter Druck mit Knochenzement gefüllt und somit der gebrochene Wirbelkörper wieder aufgerichtet. In beiden Fällen muß auf den unerwünschten Austritt von Knochenzement geachtet werden. Jedoch ist die Gefahr hierfür bei dem geschlossenen Ballonsystem etwas geringer. Nach der Aushärtung des Zements wird das Instrumentarium entfernt.
Die Wundheilung gestaltet sich in der Regel komplikationslos, da nur zwei wenige Millimeter grosse Stichinzisionen als Zugang erforderlich sind. Nach dem Eingriff berichten die meisten Patienten über eine spontane Beschwerdebesserung. Auch ist eine intensive oder einschränkende Nachbehandlung nur beim Vorliegen weitere Erkrankungen notwendig. Jedoch sollte bei den häufigen osteoporotischen Wirbelkörperbrüchen eine entsprechende medikamentöse Therapie sowie regelmässige Knochendichtemessung vorgenommen werden, um weitere Wirbelkörperbrüche oder Brüche an anderer Stelle zu verhindern.
Bei jungen Patienten existiert auch die Möglichkeit anstelle des nicht resorbierbaren Knochenzements einen biologisch abbaubaren, dem Knochen ähnlichen Zements zu verwenden. Dieser Bio-Zement hat den Vorteil, daß bei Wirbelkörperbrüchen primär eine Stabilisierung erfolgen kann, aber nach einigen Monaten kein Fremdmaterial mehr in der Wirbelsäule vorhanden ist.
Wir verwenden in unserer Klinik beide Verfahren der Wirbelkörperstabiliserung- und Wiederaufrichtung. Das Vessel X Verfahren benutzen wir aufgrund unten genannter Vorteile bei Patienten, die aufgrund ihrer Osteoporose eine höhere Gefahr eines Zementaustrittes beherbergen.
Vorteile des Vessel X Verfahrens:
- Implantierbarer Container (Vessel) aus PET
- Undehnbares biokompatibles PET (Polyethylen Terephthalat)
- Korrigiert die Wirbelkörperhöhe
- Harmonische Verzahnung des Containers und dem Knochen durch Poren (Durchlässigkeit mit einer Porengröße von 100μm)
- Krümmungskorrektur der Wirbelsäule (Kyphosekorrektur) kann über den Container zusammen mit der Zementeinspritzung erfolgen
- Sehr sicher und effizient
Was sind die typischen Anwendungsgebiete dieser Operation?
- Schmerzhafte osteoporotische Kompressionsfrakturen
- Traumatische Wirbelkörperfrakturen
- Gutartige oder bösartige Tumoren in der Wirbelsäule
- Abgestorbene Wirbelkörper (Osteonekrose)
- Postoperative Stabilisierung von geschwächten Wirbelkörpern
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